„Nah und Fern“ von Junkyu Lim ist eine stille Reflexion über das menschliche Dasein in der heutigen Gesellschaft. In seiner vielschichtigen, von Unschärfe und sanften Grautönen geprägten Arbeit thematisiert er das Spannungsverhältnis zwischen Nähe und Distanz, zwischen Isolation und zwischenmenschlicher Verbundenheit. In den Gesichtern seiner Bildfiguren zeichnet sich die Müdigkeit ab, die Körper wirken geschwächt, von Erschöpfung und innerer Schwere durchzogen, sie drücken weder Durchsetzungskraft noch Durchsetzungswillen aus – Gegenbilder zur allgegenwärtigen Dynamik und Selbstoptimierung unserer Zeit. Lim arbeitet in einem Prozess der Verdichtung und Verwischung, der die körperliche Präsenz seiner Figuren ebenso wie ihre narrative Verortung bricht und gleichzeitig das Individuelle ins Allgemeine transformiert. In der fragilen Balance zwischen persönlicher Empfindung und universeller Bedeutung gelingt es ihm, einen tief menschlichen Kommentar zu unserer Zeit zu formulieren.
[Auszug aus dem Katalog OSTRALE Biennale O25, Dresden]